
Ich erinnere mich gut an einen Ingenieur aus der Ukraine, der ins Arbeitsintegrationscoaching kam. Ich habe zu ihm gesagt: ‹Suchen Sie alle Firmen heraus, bei denen Sie sich einen Job vorstellen können.› Gesagt, getan. Dann haben wir Bewerbungen für ein Praktikum verschickt. Er wurde zum Gespräch eingeladen – aber es scheiterte am Deutsch.
Wir haben nicht aufgegeben, sondern bei diesem Arbeitgeber ein unbezahltes Praktikum organisiert. Zuerst für drei Monate, daraus wurden sechs. Er hat 60 Prozent gearbeitet und daneben intensiv Deutsch gebüffelt. Und heute? Er hat eine Festanstellung und ist weg von der Sozialhilfe. Das ist ein schöner Erfolg, der mich unglaublich freut!
Manchmal gibt es andere Probleme bei der Stellensuche. Da bin ich nicht nur Job-Coachin. Klar, zuerst reden wir über Qualifikationen, Erfahrung, Sprachkenntnisse. Aber ich schaue mir das ganze Bild an: Wie sieht das soziale Umfeld aus? Gibt es eine belastende Wohnsituation oder Kriegstraumata? Dann vermittle ich die richtigen Fachstellen.
Ein riesiges Thema sind die Abschlüsse aus dem Heimatland. Ohne eine offizielle Anerkennung, Niveaubescheinigung oder Übersetzung von Diplomen geht oft gar nichts. Darum kümmere ich mich direkt. Nur so können Schweizer Arbeitgeber einschätzen, was für ein Know-how ein*e Bewerber*in mitbringt.
Ich wünsche mir von Arbeitgebenden, dass sie geflüchteten Menschen mehr Gehör schenken. In ihnen schlummert viel Potenzial, das übersehen wird. Viele legen eine Bewerbung von jemandem mit Asyl- oder Schutzstatus reflexartig auf den Absagestapel. Dabei sind Asyl- und Schutzstatus kein Hindernis, um in der Schweiz zu arbeiten. Hier Aufklärungsarbeit zu leisten, gehört auch zu meinem Job.
Fiorella Gassei, Job-Coachin der AOZ.