
Wir sind unter den ersten, die mit den Minderjährigen im Zürcher Bundesasylzentrum Duttweiler etwas unternehmen. Wir legen Wert drauf, sie hier willkommen zu heissen. Es sind MNA (Mineurs non accompagnés), also geflüchtete Minderjährige, die nicht von Erwachsenen begleitet werden.
Wir zeigen ihnen ihr neues Umfeld und ermöglichen ihnen eine Pause vom mentalen Stress mit all den Terminen, die sie im Verlauf ihres Asylprozesses wahrnehmen müssen.
Mit uns können sie ein paar Stunden einfach jugendlich sein und etwas entdecken. Dabei geht es auch darum, sich hier zu vernetzen. Wo kann ich Anschluss finden in Zürich mit meinen finanziellen Möglichkeiten? Wir nehmen sie im BAZ Duttweilerstrasse oder Landhus in Empfang und gehen sofort raus.
Wir haben viele Kooperationen, beispielsweise mit einem Kletterverein. So können wir gratis in eine Boulderhalle nutzen. Am besten kommt das Kochen im Quartiertreff Schütze an. Viele kochen gerne und gut Gerichte aus ihrer Heimat. Zuvor kaufen wir gemeinsam ein, damit sie den Umgang mit Geld lernen.
Wir dürfen vor allem die schönen Momente mit den Jugendlichen geniessen. Es herrscht eine ungezwungene Stimmung, aus der sich oft ein Vertrauensverhältnis ergibt. Ich staune, wie schnell die Jugendlichen sich öffnen.
Von Ehemaligen bekommen wir oft positive Rückmeldungen. Kürzlich traf ich einen in der Sporthalle Josef, der doppelt so breit war wie damals und sich riesig freute, uns zu sehen. Wir hatten ihm diese Sportanlage gezeigt und seither er geht regelmässig hin.
Wir begleiten auch Jugendliche, die das BAZ verlassen müssen. Wir versuchen, ihnen Orientierung und Sicherheit zu geben und den Tag möglichst stressfrei zu gestalten. Andere zeigen uns ihren Zettel mit dem negativen Asylentscheid. Das ist hart.
Marco Graf, Leiter Zusatzteam MNA der AOZ