
«Bei uns ist kein Tag wie der andere. Unseren Tagestreff für Jugendliche und junge Erwachsene besuchen die jungen Menschen ohne Voranmeldung. Ich weiss also nicht, wer auftauchen wird.
Von aussen mag es so aussehen, als ob wir Fachpersonen einen lässigen und chilligen Job hätten: Tischfussball spielen, eine Runde Playstation zocken oder Mandalas malen. Doch wir haben einen anspruchsvollen Auftrag: Wir begleiten unsere Besuchenden bei ihren Alltagsfragen und -problemen.
Beim Tischfussballspielen reden wir zum Beispiel über die Prüfung, die am Morgen nicht gut gelaufen ist.
Die Playstation bietet Gelegenheit, über Fairness zu sprechen und Regeln aufzustellen, wer wann an der Reihe ist. Beim Mandalamalen helfen wir einem Jugendlichen, mit seinem Liebeskummer umzugehen.
Uns ist es wichtig, die Menschen kennenzulernen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Ihre Interessen sind sehr unterschiedlich. Ein junger Erwachsener aus Afghanistan hat mir erzählt, er sei spontan mit dem Pontonierverein die Sihl hochgestachelt.
Ein 18-Jähriger aus Somalia hat sich einen Computer besorgt und in der Freizeit programmieren gelernt. Bei uns traf er auf einen computerbegeisterten 16-jährigen Tschetschenen. Die beiden haben sofort über Programmieren diskutiert.
Im Treff führen wir viele Gespräche mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie sehen die aufgeklebten Sticker von Queer Amnesty und wir diskutieren über Gender und Sexualität. Vor unserer grossen Schweizer Karte haben mich einmal fünf junge Somalier über die Sprachen der Schweiz ausgefragt und erzählt, welche Städte sie besuchen möchten.
All diese Erfahrungen und Begegnungen sind für sie enorm wichtig. Die neuen Kontakte stärken das Gefühl, wirklich in der Schweiz angekommen zu sein. Sie helfen auch bei der Jobsuche oder beim selbständigen Wohnen.»